Le Bon Marché

Es ist das älteste Kaufhaus in Paris. Sein Gründer, Boucicaut, war ein wahrer Pionier der Werbung. Seine Verkaufsmethoden revolutionierten den Handel. Das heutige Luxus- und Modezentrum diente auch dem großen Schriftsteller Émile Zola als Vorlage für seinen Roman "Au bonheur des dames". Das 1883 erschienene Werk berichtet vom Konsumfieber, das die Gesellschaft des Zweiten Kaiserreichs erfasste, und liefert ein genaues Bild vom Leben und den Arbeitsbedingungen der weiblichen Angestellten.

 
 

Die Erfindung der Kaufhäuser

Das ist der Bon Marché. Es steht in Paris, auf der linken Seite des Seine. Es ist nicht das bekannteste der pariser Kaufhäuser aber es hat, wie wir gleich sehen werden, den Einzelhandel revolutioniert und ihn ins Zeitalter des Massenkonsums eintreten lassen.

Aristide Boucicault, ein ehrgeiziger junger Normanne

Die Geschichte des Bon Marché ist vor allem die Geschichte von Aristide Boucicaut, aus der Normandie, der mit 19 jahren 1829 nach Paris geht.

Damals funktioniert der Einzelhandel noch auf traditionelle Art. Es sind Fachgeschäfte mit begrenzten Warenangebot ; man muss sich an einen Verkäufer wenden; die Preise werden nicht angezeigt, was endlose falsche Reihen und willkürliche Preispolitik zur folge hat. Langsam tauchen so genannte Neuheitenläden auf, die auf ein ansprechendes Schaufenster, freien Zugang und sichtbare Preise setzen.

In einem dieser modernen Geschäfte, dem Petit Saint-Thomas, in der Rue du Bac, beginnt Boucicaut als Verkäufer. Der ehrgeizige Boucicaut schließt sich einige jahre später mit einem gewissen Paul Videau zusammen, der gerade ein modernes Kaufhaus an der Ecke rue de Sèvres-rue du Bac eröffnet hat, den „Bon Marché“.

Ein Pionier der Werbung

Boucicaut sprüht über vor Ideen. Als erstes reduziert er die Verkaufspreise durch schnellen Lagerumschlag.Das funktioniert so gut dass der Umsatz in ein paarJahren von 450.000 auf sieben Millionen Franc steigt. Paul Videau bekommt es mit der Angst zu tun und verkauft alle seine Anteile an seinen ehrgeizigen Teilhaber.

Boucicaut ist nun Kapitän an Bord. Jetzt erfindet er das Grand Magasin, das Kaufhaus also ein Geschäft in dem es alles gibt, nicht nur Textilien.

Dazu brauchte er eine revolutionäre Architektur. Vorsicht, hinter dem scheinbaren Klassizismus der Fassade verbirgt sich eine stahl Struktur die es ermöglicht, große Fensterfronten einzubauen und weiträumige Hallen im Inneren zu schaffen. Ein rauschender Erfolg : Unterwäsche, Möbel, Schreibwaren, Spielzeug, Geschirr und so weiter und so weiter. Es gibt einfach alles im Bon Marché. Boucicaut hat ständig neue Ideen. Er erfindet den Monat der Hauswäsche, revolutioniert die Werbung, verkauft auf Bestellung, beliefert die Kundinnen kostenlos und erfindet denn heute noch gültigen Slogan „Zufrieden oder Geld zurück“, „satisfait ou remboursé“. Kommen die Kunden von weither, brauchen sie nur den Boucicautplatz zu überqueren, schon sind sie im Jugendstil Palasthotel Lutetia, das Madame Boucicaut für sie hat errichten lassen.

Émile Zolas Modell für seinen Roman "Au Bonheur des dames"

Um ein riesiges Kaufhaus zu betreiben, braucht man viel personal ; Abteilungsleiter, Assistenten und eine Schar von Verkäufer und Verkäuferinnen. Oft sind das Mädchen aus der Provinz, die man in den Dachkammern des Bon Marché unterbringt. Die Arbeit ist aufreibend auch wenn Boucicaut, unter dem Einfluss seiner Frau, ein für damalige Verhältnisse modernes paternalistisches System entwickelt : zwölf Arbeitsstunden statt 16, Kommissionen, Krankenkasse, Rentenkasse.

Das Leben der Angestellten wird präzise von Emile Zola beschrieben, der ein Roman über das Gesellschaftsphänomen Bon Marché schreiben will. Das „Paradies der Damen“, „Au Bonheur des dames“ entsteht nach monatelangen Recherchen in den Kulissen des Bon Marché . In seiner spannenden Feldstudie erweist sich Zola als früher Dokumentarist.

Der Bon Marché wird im laufe des neunzehnten Jahrhunderts oft kopiert, manchmal von ehemaligen Mitarbeiten, wie beim Printemps zum Beispiel. Sein Berliner Pendant, das KADEWE, Abkürzung für Kaufhaus des Westens wird erst Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts eröffnet.

Und wie geht es dem Bon Marché heute? Nun, er wurde von der Gruppe LVMH, unter Bernard Arnault im Jahre 1984 aufgekauft und widerspricht skrupelllos seinem Namen. Der französische Ausdruck „Bon Marché“ bedeutet nämlich billig. Der Bon Marché ist aber inzwischen zu einem Luxus Kaufhaus avanciert, indem die Pariser Bourgeoisie alles findet was den guten Geschmack „à la française“ ausmacht.

[Musik]

Weitere Videos über die Geschichte von Paris :

Wie Haussmann Paris veränderte

Die Pariser Kommune

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